Hautnah dabei

Beitrag vom 9. April 2008 - Kategorie: Multimedial

Filmcover Unsere Erde„Unsere Erde“ – ein großartiger Film bietet Aufnahmen von nie gesehener Intimität

Ja, es gab auch schon andere gute Naturfilme. „Die Wüste lebt“ von James Algar, der oscarprämierte erste längere Dokumentarfilm der Walt-Disney-Studios, gehört dazu. Doch der Film kam 1953, als sich noch kaum jemand Gedanken über Naturschutz machte, nicht ohne eine Vermenschlichung der Tiere aus, um Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur zu wecken.

Ganz anders „Unsere Erde“. Was Regisseur in 5 Jahren Produktionszeit an 200 Drehorten und mit einer speziell für diesen Film entwickelten Aufnahmetechnik geschaffen hat, hält auch diejenigen bis zur letzten Minuten in den Kinosesseln, die sich ansonsten für Naturaufnahmen wenig zu begeistern vermögen.

Auf einer Reise vom Nordpol zum Südpol dokumentiert Fothergill die unterschiedlichen Klimazonen und die Tiere, wie sie mit den jeweiligen Lebensbedingungen zurechtkommen. Dabei sind grandiose Aufnahmen gelungen: ein äußerst scheuer Luchs in der Taiga, einer der letzten 40 Amurleoparden, ein weißer Wolf, der ein Karibu jagd.

Der jährliche Flug der Jungfernkraniche über den windumtosten Himalaja wird ebenso eindrucksvoll dokumentiert, wie die Wanderschaft einer Elefantenherde durch die erbarmungslose Kalahari-Wüste bis ins rettende Okawango-Delta.

Mitreißend auch die Naturaufnahmen: Der Blick folgt einem Fluss bis an die Kante des Felsens, über den er stürzt und es bietet sich ein eindruckvolles Schauspiel: Man wähnt sich mitten in einem Wasserfall, umgebend vom tosenden Geräusch des Wassers und eingehüllt in die aufspritzende Gicht.

Ebenso eindrucksvoll auch die Sanddünen in der Wüste, so weit das Auge reicht. Dann: Ein Sandsturm, der auf den Zuschauer zurast, vorbeizieht, mit etwas Glück, nein, er erfasst ihn doch und unwillkürlich ringt man nach Luft und befeuchtet die Lippen.

Der Film zeigt nicht nur Schönheit, sondern auch den täglichen Kampf ums Überleben. Ein Gepard jagd eine Antilope und erwischt sie, ein Elefant wird von einem Rudel Löwen geschlagen, doch immer blendet die Kamera aus, bevor es blutig wird.

Einmalig sind noch nie gesehene Bilder: Der schwimmende Eisbär, aus dem Helikopter heraus gefilmt, Elefantenfüße, wie sie auf dem Boden aufsetzen, ein weißer Hai, der aus dem Wasser hervorschnellend eine Robbe in Gänze verschlingt. Das sind Sequenzen, die in Erinnerung bleiben.

Manchmal hätte man sich mehr Informationen gewünscht. Es wäre schön gewesen, die Strecke auf einer Karte zu sehen, die das Buckelwalweibchens mit ihrem Jungen zurückgelegt hat – 5000 Kilometer aus tropischen Gewässern bis in die Antarktis. Aber manch anderer wird gerade darüber froh sein, dass hier gerade nicht ein klassischer Lehrfilm vorgeführt wird, sondern Bilder zum Zurücklehnen und Nachdenken. Bilder, die bewusst machen, was wir zu verlieren riskieren, wenn die Umwelt aus welchen Gründen auch immer weiter zerstört und damit die Tiere ihrer Lebensgrundlage beraubt werden.

Mein persönliches Highlight in diesem Film waren übrigens weder die Eisbären, noch der weiße Hai, noch die Buckelwalmutter. Sondern die Küken der Mandarinente. Diese brüten, was ich nicht wusste, in Baumhöhlen hoch über der Erde. Die Entenmutter hat keine Probleme, auf den Baum zu fliegen und ebenso wieder herunterzukommen. Doch die kleinen Küken müssen mit ihren noch nicht ausgebildeten Stummelflügelchen vom Baum herunterkommen. Wie die Kleinen todesmutig den Sturzflug wagten und sich nach einer Bruchlandung im weichen Laub berappelten, um ihrer Mutter zu folgen, das bleibt die Sequenz dieses Films, die ich wohl nicht vergessen werde.

So bleibt als Fazit: „Unsere Erde“ sollte man nicht verpassen.


Bildquelle:
Link zum Thema: Homepage von “Unsere Erde”
Wie gefällt Dir der Text? gar nichtgeht soist okayprimatoll
Loading ... Loading ...

Kommentare:

Dein Kommentar:




Anmelden



Wordpress

Seiten

Kommentare

Blogtipps

Abo

Alle Autoren

Copyright © 2010 Songline - Just me - Design von YGoY | 34 Abfragen in 0.446 Sekunden